Skip to content

philophonie.com

"L'avenir est donc à la philophonie." Erik Satie

Menu
  • Information
Menu

Nietzsche: Das Ohr als Organ der Furcht

Posted on September 28, 2024September 29, 2024 by admin

[1174] Nacht und Musik. – Das Ohr, das Organ der Furcht, hat sich nur in der Nacht und in der Halbnacht dunkler Wälder und Höhlen so reich entwickeln können, wie es sich entwickelt hat, gemäß der Lebensweise[1174] des furchtsamen, das heißt des allerlängsten menschlichen Zeitalters, welches es gegeben hat: im Hellen ist das Ohr weniger nötig. Daher der Charakter der Musik als einer Kunst der Nacht und Halbnacht.

Quelle:
Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 1, S. 1174-1175.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000924655X
Lizenz: Gemeinfrei


Das Ohr als Organ der Furcht (Angst), als das Sinnesorgan, welches dann am aktivsten ist, wenn nichts oder wenig zu sehen ist, ist tatsächlich niemals inaktiv. Doch so wie bei Menschen, die nicht sehen können der Gehörsinn besonders fein entwickelt ist, so wird er auch bei Sehenden sehr schnell geschärft, wenn es dunkel ist. Geräusche machen Angst, wenn sie nicht eindeutig identifiziert, nicht eingeordnet werden können. Nietzsche sagt, der Höhlenmensch, der Mensch, der im Wald lebt, der also dort lebt, wo es besonders dunkel ist in der Nacht, dieser Mensch hat das Ohr sich entwickeln lassen wegen der Dunkelheit. Gut möglich.

Das Ohr ist bei einem Embryo im 5. Monat so weit entwickelt, dass bereits Geräusche gehört werden können. In dieser dunklen Unterwasserwelt braucht der Embryo die Augen noch nicht. Fürchten muss er sich aber in dieser Sphäre eigentlich nicht. Hoffentlich.

Dass nicht nur Nietzsche das Ohr in Zusammenhang mit Angst oder Furcht sieht, sondern auch die chinesische Medizin, mag vielleicht überraschen. Das Ohr und das Hören ist in der Lehre der Wandlungsphasen (Wu Xing, 五行) dem Wasser zugeordnet, wie auch die Nacht, der Norden, die Angst, der Funktionskreis der Niere und überhaupt die stärkste Ausprägung von Yin. Die Wandlungsphasenlehre beruht auf Beobachtungen und Erfahrungen der Natur, des Körpers, des Kosmos und bildet sich aus Analogien. Abgeleitet aus dem grundlegenden Modell von Yin und Yang stellt es eine weitere Verfeinerung dieser Grundpolaritäten dar.

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.

Neueste Beiträge

  • Studie: Hörvermögen und die Ohranatomie des Braunbrustigels (Erinaceus europaeus)
  • Stockhausen: Die Kunst, zu hören
  • Sound des Jahrhunderts (bpb)
  • You Can Talk to Plants. Maybe You Should Listen.
  • Studie: Sounds emitted by plants under stress

Adrienne Adar Aufklärung Bücher Gefühl Georges Perec Gerald S. Pollack Geräusche Geschichte Geschmack Haiku Hans Neuhoff Hören Igel Indien Insekten Johann Georg Sulzer John Cage Klang Klänge beschreiben Konzept Lyrik Matsuo Basho Musik Natur Nietzsche Ohr Onomatopoesie Ordnung Pflanzen Philosophie Publikum Sinne Soziologie Sprache Stille Stockhausen Studie Thomas Mace Uejima Onitsura Ultraschall Walt Whitman Wandlungsphasen Yosa Buson Ästhetik Übungen

  • Ästhetik
  • Chinesische Philosophie
  • Hören
  • Komposition
  • Lärm
  • Lyrik
  • Musik
  • Natur
  • Ohr
  • Philosophie
  • Psychologie
  • Publikationen
  • Soziologie
  • Sprache
  • Studie
  • Übungen
  • Uncategorized
©2026 philophonie.com | Built using WordPress and Responsive Blogily theme by Superb