Das Konzept: Projizierendes Hören
Wüthrichs Werk ist kein klassisches Notat, sondern ein Konzept für imaginäres Hören. Der Titel bezieht sich nicht auf das Tier, sondern auf die Gehörschnecke (Cochlea) im menschlichen Ohr.
Das zentrale Element ist das „projizierende Hören“: Die Erkenntnis, dass das Ohr nicht nur passiv Schall empfängt, sondern dass das Gehirn über zentrifugale Nervenbahnen Impulse zurück zum Ohr sendet. Wir können Klänge so intensiv imaginieren, dass sie reale Geräusche übertönen oder verändern.
Die zwei Säulen des Werks
- Das Vorgegebene: Ein real klingendes Environment. Das kann die natürliche Geräuschkulisse eines Stadtplatzes sein, ein Tonband, eine Improvisation oder ein sehr „offenes“ Musikstück (z. B. von Cage) .
- Die verbalen Anweisungen: Kurze Sätze (oft auf Tafeln im Raum verteilt), die den Hörer dazu anregen, das reale Klanggeschehen im Geist zu manipulieren.
Der Hörer wird somit selbst zum Komponisten seiner eigenen, individuellen „Sym-Phonie“, indem er das Äußere mit dem Inneren kontrapunktisch verknüpft.
Zwei prägnante Stellen, die das Wesen des Stücks gut einfangen:
„Dass Sie auf diese Weise aus Gegebenem und selber Vorgestelltem Ihre eigene Komposition schaffen können: in unaufhaltsam fortschreitender Gegenwart, eingebettet in Gedächtnis und Antizipation.“
„Wussten Sie, dass die Flüssigkeit im Schneckengang Ihres Ohres nicht nur durch äussere Reize in Schwingung versetzt wird, sondern ebenso durch das innerliche Hören, die Imagination von Klängen und Geräuschen?“
Beispiele für Hör-Anweisungen aus dem Text:
- Multiplikation: Ein Geräusch aus der Umgebung im inneren Ohr zu einem „Schwarm“ vervielfältigen.
- Komplementäre Lautstärke: Wenn die reale Musik lauter wird, ein inneres Lied leiser werden lassen und umgekehrt.
- Stille: Das akustische Environment durch das innere Hören von Pausen „aus- und wieder anschalten“.