Skip to content

philophonie.com

"L'avenir est donc à la philophonie." Erik Satie

Menu
  • Information
Menu

C. G. Jung: Lärm als Kompensation der Angst

Posted on April 2, 2026April 2, 2026 by admin

In einem Brief aus dem Jahr 1957 antwortet der Tiefenpsychologe C. G. Jung auf eine Anfrage von Prof. Karl Oftinger, dem Gründer der „Liga gegen den Lärm“. Jung analysiert darin den modernen Lärm nicht nur als akustische Störung, sondern als ein tiefenpsychologisches Symptom unserer Kultur.

Hintergrund

Prof. Oftinger hatte Jung gebeten, einen Artikel über das Problem des Lärms zu verfassen. Jung lehnt dies aufgrund seines hohen Alters und der damit verbundenen Ermüdung ab, nutzt die Antwort jedoch für eine ausführliche Darstellung seiner Thesen. Er beschreibt, dass er persönlich Lärm meidet, da dieser die für seine Arbeit notwendige Konzentration stört und eine zusätzliche psychische Kraftanstrengung erfordert, um ihn „auszuschalten“.

Kernpunkte der Argumentation

  • Kompensation der Angst: Jung vertritt die These, dass wir den Lärm „heimlich wollen“. Er dient als Mittel, um eine allgemeine, oft unbewusste Angst zu übertönen, die aus der modernen Lebenswelt (Übervölkerung, Radioaktivität, technische Bedrohung) resultiert.
  • Flucht vor der Stille: In der Stille würde der Mensch zum Nachdenken gezwungen, wobei Unangenehmes aus dem eigenen Inneren ins Bewusstsein dringen könnte. Lärm wirkt hierbei wie ein „apotropäischer Zauber“ (Abwehrzauber), der Sicherheit vorgaukelt und „Dämonen verscheucht“.
  • Verlust der Konzentration: Durch ständige Ablenkungsreize (Radio, Fernsehen, Lärm) wird bereits bei Kindern die Fähigkeit zur Konzentration und Besinnung zerstört. Dies führe zu einer „infantilen Abhängigkeit vom Außen“.
  • Existenzbestätigung: Für Menschen, die „nichts bedeuten“, kann das Verursachen von Lärm (z. B. durch Motorenknattern) eine Form der Daseinsbestätigung und die einzige Daseinsfreude sein.
  • Gesellschaftliches Übel: Jung sieht im Lärm ein Zeichen der allgemeinen geistigen Desorientierung. Er betrachtet die Zerstörung der Konzentrationsfähigkeit und die daraus resultierende nervöse Erschöpfung fast als ein „unauffälliges Genozid“, da es die menschliche Substanz vorzeitig aufzehrt.

„Der Lärm ist willkommen, denn er übertönt die innere instinktive Warnung. Wer sich fürchtet, sucht laute Gesellschaft und tosenden Lärm, der die Dämonen verscheucht.“ 

Neueste Beiträge

  • Klang und Resonanz: Eine Archäologie des Hörens
  • Studie: Hörvermögen und die Ohranatomie des Braunbrustigels (Erinaceus europaeus)
  • Stockhausen: Die Kunst, zu hören
  • Sound des Jahrhunderts (bpb)
  • You Can Talk to Plants. Maybe You Should Listen.

Adrienne Adar Aufklärung Bücher Gefühl Georges Perec Gerald S. Pollack Geräusche Geschichte Geschmack Haiku Hans Neuhoff Hören Igel Indien Insekten Johann Georg Sulzer John Cage Klang Klänge beschreiben Konzept Lyrik Matsuo Basho Musik Natur Nietzsche Ohr Onomatopoesie Ordnung Pflanzen Philosophie Publikum Sinne Soziologie Sprache Stille Stockhausen Studie Thomas Mace Uejima Onitsura Ultraschall Walt Whitman Wandlungsphasen Yosa Buson Ästhetik Übungen

  • Ästhetik
  • Chinesische Philosophie
  • Hören
  • Komposition
  • Lärm
  • Lyrik
  • Musik
  • Natur
  • Ohr
  • Philosophie
  • Psychologie
  • Publikationen
  • Soziologie
  • Sprache
  • Studie
  • Übungen
  • Uncategorized
©2026 philophonie.com | Built using WordPress and Responsive Blogily theme by Superb