Quellen zur Philosophie der Akustik von der Stoa bis zum Zhuangzi „Ich bin nicht an der Psychologie des Hörens interessiert, sondern am Hören selbst.“ — Morton Feldman, Give My Regards to Eighth Street I. Die Griechische Antike: Das Modell der Welle 1. Aristoteles: Die Form ohne Materie „Das Hören ist das Empfangen der wahrnehmbaren Formen ohne die…
Schlagwort: Hören
Stockhausen: Die Kunst, zu hören
„Ganz gewiß ist Musik das sublimste Mittel, unsere geistigen Fähigkeiten in einer allgemeingültigen, abstrakten Weise auszubilden; nämlich, Schwingungen und Schwingungsverhältnisse, Organismen und Prozesse von Schwingungen wahrzunehmen, um zunehmend wacher, intelligenter, gedankenreicher, polyphoner, gefühlsreicher und feinfühliger zu werden.“ Karlheinz Stockhausen beklagt in diesem Text eine zunehmende Oberflächlichkeit im Umgang mit Musik. Er stellt fest, dass die Fähigkeit des…
Studie: The perception of silence
Übersicht: Studie zur Wahrnehmung von Stille Die zentrale Frage der Untersuchung lautete, ob unser Gehörsinn Stille aktiv wahrnimmt oder ob Stille lediglich als „Pause“ des Systems zu verstehen ist. Die Original-Studie Die im Artikel erwähnte Untersuchung wurde im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.
Das Inventar des Hörbaren – Nach Georges Perec
Der Impuls „Das Problem besteht nun darin, zu entscheiden, ob dieser oder jener Gegenstand auf den Schreibtisch gehört oder nicht […]. Diese neue Raumordnung geschieht selten aufs Geratewohl. Sie entspricht in den meisten Fällen dem Anfang oder dem Ende einer bestimmten Arbeit […] [Es] sind Gegenstände, die für meine Arbeit zwar nützlich sind […] andere, die nicht unmittelbar…
Insect Bioacoustics – Gerald S. Pollack
Der Artikel „Insect Bioacoustics“ von Gerald S. Pollack beschreibt, wie Insekten trotz ihrer geringen Körpergröße komplexe akustische Herausforderungen meistern, um zu kommunizieren, Feinde zu erkennen oder Wirte zu lokalisieren. Da Insekten klein sind, ist ihre Fähigkeit, Schall effizient abzustrahlen und zu empfangen, physikalisch begrenzt. Warum Insekten hören Insekten nutzen Schall für drei primäre Zwecke: Strategien zur…
Blüten als Ohren: Schnellere Nektarproduktion durch Bestäuber-Geräusche
Eine Studie von Veits et al. (2019) untersucht, ob Pflanzen auf die Geräusche ihrer Bestäuber reagieren können. Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte: Die zentrale Entdeckung Die Forscher konnten nachweisen, dass die Blüten der Gestreiften Nachtkerze (Oenothera drummondii) innerhalb von nur drei Minuten die Zuckerzentration in ihrem Nektar erhöhen, wenn sie den Schall von fliegenden Bienen oder ähnliche synthetische…
Hans Wüthrich: Die singende Schnecke (1979)
Das Konzept: Projizierendes Hören Wüthrichs Werk ist kein klassisches Notat, sondern ein Konzept für imaginäres Hören. Der Titel bezieht sich nicht auf das Tier, sondern auf die Gehörschnecke (Cochlea) im menschlichen Ohr. Das zentrale Element ist das „projizierende Hören“: Die Erkenntnis, dass das Ohr nicht nur passiv Schall empfängt, sondern dass das Gehirn über zentrifugale Nervenbahnen Impulse zurück zum Ohr…
C. G. Jung: Lärm als Kompensation der Angst
In einem Brief aus dem Jahr 1957 antwortet der Tiefenpsychologe C. G. Jung auf eine Anfrage von Prof. Karl Oftinger, dem Gründer der „Liga gegen den Lärm“. Jung analysiert darin den modernen Lärm nicht nur als akustische Störung, sondern als ein tiefenpsychologisches Symptom unserer Kultur. Hintergrund Prof. Oftinger hatte Jung gebeten, einen Artikel über das Problem des Lärms zu…
Zitat: Triebfedern des Herzens: Das Gehör als edelster Sinn
Die Natur hat eine ganz unmittelbare Verbindung zwischen dem Gehör und dem Herzen gestiftet; jede Leidenschaft kündiget sich durch eigene Töne an, und eben diese Töne erweken in dem Herzen dessen, der sie vernihmt, die leidenschaftliche Empfindung, aus welcher sie entstanden sind. Aber das Gehör kann durch unharmonische Töne so sehr wiedrig angegriffen werden, daß…
Horchen an einer Quelle
„Anfangs, als ich hinkam, war meine innere Energie noch oberflächlich und meinGeist unruhig, so dass das Ohr noch gar nicht in die Quelle einzudringen vermochte.Das Rauschen der Blätter in den Bäumen und das Vogelgezwitscher im Tal,all das mischte sich noch störend darunter. Gegen Sonnenuntergang aber ließ ichmich dort zur Ruhe nieder, wandte Schauen und Horchen nach innen, bis in mir…