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Zitat: Triebfedern des Herzens: Das Gehör als edelster Sinn

Posted on April 2, 2026April 2, 2026 by admin

Die Natur hat eine ganz unmittelbare Verbindung zwischen dem Gehör und dem Herzen gestiftet; jede Leidenschaft kündiget sich durch eigene Töne an, und eben diese Töne erweken in dem Herzen dessen, der sie vernihmt, die leidenschaftliche Empfindung, aus welcher sie entstanden sind. Aber das Gehör kann durch unharmonische Töne so sehr wiedrig angegriffen werden, daß man darüber halb in Verzweiflung geräth und das Gefühl, können nichts, als blinde Lust, oder Unlust erweken; die sich selbst, jene durch den Genuß, diese durch Abscheu, verzehren, ohne einige Würkung auf die Erhöhung der Seele zu haben; ihr Zwek geht blos auf den Körper. Aber das, was das Gehör und das Gesicht uns empfinden lassen, ziehlet auf die Würksamkeit des Geistes und des Herzens ab; und in diesen beyden Sinnen liegen Triebfedern der verständigen und sittlichen Handlungen. Von diesen beyden edlen Sinnen aber hat das Gehör weit die stärkere Kraft.1 Ein in seiner Art gerade so mißstimmender Ton, als eine wiedrige Farbe unharmonisch ist, ist ungleich unangenehmer und beunruhigender, als diese, und die liebliche Harmonie in den Farben des Regenbogens, hat sehr viel weniger Kraft auf das Gemüth, als eben so viel und so genau harmonirende Töne, z.B. der harmonische Dreyklang auf einer rein gestimmten Orgel. Das Gehör ist also weit der tauglichste Sinn, Leidenschaft zu erweken. Wer wird sagen können, daß ihm irgend eine Art von unharmonischen, oder wiedrigen Farben, schmerzhafte Empfindungen verursachet habe? Aber das Gehör kann durch unharmonische Töne so sehr wiedrig angegriffen werden, daß man darüber halb in Verzweiflung geräth.

Johann Georg Sulzer: Allgemeine Theorie der Schönen Künste (1771-1774), Band 1, Artikel „Gehör“

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