„Ganz gewiß ist Musik das sublimste Mittel, unsere geistigen Fähigkeiten in einer allgemeingültigen, abstrakten Weise auszubilden; nämlich, Schwingungen und Schwingungsverhältnisse, Organismen und Prozesse von Schwingungen wahrzunehmen, um zunehmend wacher, intelligenter, gedankenreicher, polyphoner, gefühlsreicher und feinfühliger zu werden.“
Karlheinz Stockhausen beklagt in diesem Text eine zunehmende Oberflächlichkeit im Umgang mit Musik. Er stellt fest, dass die Fähigkeit des bewussten Hörens kaum noch geübt wird, da Musik oft nur noch zur Unterhaltung dient, anstatt als eine zu erlernende Kunstform begriffen zu werden.
Die Kernpunkte seiner Argumentation:
- Komplexität: In der Kunstmusik geschieht oft mehr, als man im Moment des Hörens bewusst erfassen kann.
- Mangelndes Handwerkszeug: Vielen Hörern fehlen die Begriffe und das Training für Intervalle, Zeitdauern oder Klangfarben, was eine differenzierte Wahrnehmung erschwert.
- Übung und Disziplin: Die „Kunst des Hörens“ muss laut Stockhausen regelmäßig trainiert werden, um in die Tiefe eines Werkes einzudringen und ästhetische Qualitäten wie Schönheit oder Originalität zu erkennen.
- Selbsterkenntnis: Oft nutzen Hörer Musik nur, um ihren eigenen Geschmack oder ihre Probleme zu bestätigen, anstatt die „spezielle, einmalige musikalische Welt“ des Werkes selbst zu entdecken.
- Geistige Bildung: Letztlich sieht er Musik als das „sublimste Mittel“, um die geistigen Fähigkeiten (Wachheit, Intelligenz, Feinfühligkeit) durch das Wahrnehmen von Schwingungsprozessen auszubilden.
Das Buch vom Hören, herausgegeben von Robert Kuhn und Bernd Kreutz, erschienen im Herder Verlag. Der Beitrag von Karlheinz Stockhausen trägt den Titel „Die Kunst, zu hören“ und umfasst die Seiten 138 bis 141.