Die Studie liefert erstmals detaillierte Daten über den Hörbereich und die Anatomie des Innenohrs des europäischen Igels. Diese Erkenntnisse sind besonders relevant für den Artenschutz, um beispielsweise wirksame akustische Abschreckungsmittel zu entwickeln, die Igel von Gefahrenquellen wie Straßen oder Mährobotern fernhalten.
Methodik
- Hörtests (ABR): An 20 lebenden Igeln aus dänischen Wildtierstationen wurden sogenannte Auditory Brainstem Response-Tests (Messung der Hirnstamm-Reaktionen auf Schallreize) durchgeführt.
- Anatomie: Mittels Mikro-Computertomographie (Mikro-CT) wurde ein detailliertes dreidimensionales Modell des Ohrs eines verstorbenen Tieres erstellt.
Zentrale Ergebnisse
- Hörbereich: Europäische Igel können Frequenzen in einem breiten Bereich von mindestens 4 kHz bis 85 kHzwahrnehmen.
- Beste Empfindlichkeit: Die höchste Hörsensibilität liegt bei etwa 40 kHz. Damit nehmen Igel Geräusche im Ultraschallbereich wahr, die für Menschen (bis ca. 20 kHz) unhörbar sind.
- Anatomie:
- Die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) sind sehr klein.
- Die Hörschnecke (Cochlea) weist etwa 1,7 Windungen auf.
- Die Bogengänge des Gleichgewichtsorgans sind vergleichsweise breit.
Bedeutung für den Naturschutz
Da der Straßenverkehr eine der Hauptursachen für den Rückgang der Igelpopulationen ist (bis zu ein Drittel der Population stirbt jährlich auf Straßen), könnten diese Daten genutzt werden, um Ultraschall-Repellents zu entwickeln. Diese Geräte könnten Frequenzen über 65 kHz nutzen, die für Igel hörbar sind, aber weder Menschen noch Haustiere (Hunde bis ca. 45 kHz, Katzen bis ca. 65 kHz) stören würden.
Quelle:
Rasmussen, S. L., et al. (2026). Hearing and anatomy of the ear of the European hedgehog Erinaceus europaeus. Biology Letters, 22(3), 20250535. https://doi.org/10.1098/rsbl.2025.0535