Übersicht: Studie zur Wahrnehmung von Stille
Die zentrale Frage der Untersuchung lautete, ob unser Gehörsinn Stille aktiv wahrnimmt oder ob Stille lediglich als „Pause“ des Systems zu verstehen ist.
- Wissenschaftliche Hypothese: Bisherige Theorien gingen davon aus, dass das Gehör nur auf Geräusche reagiert. Die Forscher der Johns Hopkins University vermuteten hingegen, dass das „Nichts“ ebenfalls akustisch verarbeitet wird und Stille somit eine eigene Form der Wahrnehmung darstellt.
- Methodik der Experimente:
- An der Studie nahmen rund 1.000 Versuchspersonen teil.
- Die Forscher nutzten bekannte akustische Illusionen, die normalerweise mit Tönen funktionieren.
- Ein Beispiel ist die „One-is-more“-Illusion: Ein durchgehender Ton wird subjektiv als länger wahrgenommen als zwei aufeinanderfolgende kurze Töne, selbst wenn die Gesamtdauer identisch ist.
- Die Forscher ersetzten in den Tests die Töne durch Momente absoluter Stille innerhalb einer Geräuschkulisse (z. B. belebte Plätze).
- Zentrale Ergebnisse:
- Die Probanden unterlagen bei der Stille derselben Täuschung wie bei Geräuschen: Ein langer Moment der Stille wurde als länger empfunden als zwei kurze Momente, die zusammen dieselbe Zeitspanne umfassten.
- Dies deutet darauf hin, dass unser auditives System Stille wie ein akustisches Signal verarbeitet.
- Einschränkungen und Ausblick: Ein endgültiger Beweis, dass Stille auch ohne den Kontrast zu vorhergehenden Geräuschen hörbar ist, steht noch aus. Es könnte sein, dass die Stille in den Tests nur deshalb als „Objekt“ wahrgenommen wurde, weil sie ein Geräusch unterbrochen hat.
Die Original-Studie
Die im Artikel erwähnte Untersuchung wurde im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.
- Titel der Studie: The perception of silence
- Autoren: Rui Zhe Goh, Ian B. Phillips und Chaz Firestone (Johns Hopkins University).
- Veröffentlichungsdatum: Juli 2023.
- Link zur Studie: https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2301463120