„Anfangs, als ich hinkam, war meine innere Energie noch oberflächlich und meinGeist unruhig, so dass das Ohr noch gar nicht in die Quelle einzudringen vermochte.Das Rauschen der Blätter in den Bäumen und das Vogelgezwitscher im Tal,all das mischte sich noch störend darunter. Gegen Sonnenuntergang aber ließ ichmich dort zur Ruhe nieder, wandte Schauen und Horchen nach innen, bis in mir alle Bindungen abfielen -eine Verlorenheit [von Zhuangzi beschrieben mit den Worten] ‚abwesend, wie als hätte man die Welt um sich verloren‘. Und nun eröffneten sich mir die wandelnden Formen der Quelle in ihrer ganzen Vielfalt. Anfangs war es wie ein melancholisches Rauschen im Kieferngeäst, wie das Rieseln feiner Jadesplitter. Bald aber schien es zu klingen wie von Saiten aus Fasanensehnen, die mit einem metallenen Plättchen angeschlagen werden, und schließlich wurde es zu einem donnergleichen Dröhnen, das über die Berge und Täler wogte. Denn so ist es: je stiller der Geist, umso lauter die Quelle. Das dröhnende Rauschen der Quelle drang in mein Ohr und ergoss sich in mein Herz, inmitten einer weiten, kühlen Einsamkeit. Es durchspülte und reinigte meine Brust, wusch allen Staub von mir ab, und es wurde mir so frei und weit ums Herz, dass ich meiner selbst vergaß und mir Tod und Leben zu einer Einheit verschmolzen. Denn wahrhaftig: je lauter die Quelle rauschte, desto ruhiger ward mein Geist.“
Horchen an einer Quelle, beschrieben von Yuan Zhongdao (1570-1623) im „Shuanglai Ting Ji“Zitiert nach: Zhu Zhirong: Philosophie der chinesischen Kunst