1. Matsuo Bashō
Original:
古池や
蛙飛び込む
水の音
- Transliteration: Furu-ike ya / kawazu tobikomu / mizu no oto
- Wörtlich: Der alte Teich / Frosch hineinspringen / Wasser-Geräusch
- Nachdichtung: Der alte Weiher: / Ein Frosch springt hinein, / Laut des Wassers.
2. Uejima Onitsura
Original:
静かさや
岩にしみ入る
蝉の声
- Transliteration: Shizukasa ya / iwa ni shimuiru / semi no koe
- Wörtlich: Die Stille / in den Fels dringen / Zikaden-Stimme
- Nachdichtung: Stille ist’s – / in das Herz des Felsens dringt / der Zikaden Sang.
3. Yosa Buson
Original:
釣鐘に
とまりて眠る
胡蝶かな
- Transliteration: Tsurigane ni / tomarite nemuru / kochō kana
- Wörtlich: Auf der Tempelglocke / ruhend schlafen / ein Schmetterling!
- Nachdichtung: Die Tempelglocke verhallt, / doch aus den Blüten / strömt ihr Duft noch fort.
- Das Zeichen für Ohr/Hören: In den Gedichten oben wird meist das Zeichen 声 (koe – Stimme/Laut) oder 音(oto – Geräusch/Klang) verwendet. Das eigentliche Schriftzeichen für das anatomische Ohr sieht so aus: 耳(mimi). Es ist ein Piktogramm, das ursprünglich die Form einer Ohrmuschel nachbildete.
- Stille: Das erste Zeichen bei Onitsura 静 (shizu) steht für die Stille. Es setzt sich interessanterweise aus den Radikalen für „Blau/Grün“ und „Streit/Kampf“ zusammen – die Abwesenheit von Konflikt führt zur tiefen, blauen Ruhe.
- Otto Hauser hat bei Buson das Bild des schlafenden Schmetterlings (der die Vibration der Glocke gar nicht hören kann oder gerade durch die Stille der Glocke geschützt ist) komplett durch eine Duft-Metapher ersetzt. In der wörtlichen Fassung wird das „Hören“ eher durch die Abwesenheit des Klangs (die schlafende Glocke) thematisiert.
- Bei Onitsura hingegen ist die „Stimme“ (koe) der Zikaden im Original sehr präsent. Es ist faszinierend, wie das „Hören“ hier als etwas Physisches begriffen wird, das sogar harten Stein durchdringt.