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Über meine Kompositionen

Posted on Februar 25, 2026 by admin

In meiner kompositorischen Arbeit verstehe ich Musik nicht als ein bloßes Arrangement von Tönen, sondern als ein energetisches System, das den universellen Gesetzmäßigkeiten der Transformation folgt. Mein theoretischer Ansatz wurzelt tief in der chinesischen Naturphilosophie, insbesondere im Modell der Wandlungsphasen, den Wu Xing.

Dabei ist es mir ein zentrales Anliegen, mich von jeglichem „Orientalismus“ oder der bloßen Imitation chinesischer Musikidiomatik zu distanzieren. Es geht mir nicht um das Exotische, sondern um die innere Dynamik des Klangs an sich, die ich als ein Wirken der strömenden Lebenskraft Qi begreife.

Die Phänomenologie des Einzelklangs

In meiner Ästhetik ist bereits der Einzelklang ein Mikrokosmos dieser Wandlungsprozesse. In seinem Werden und Vergehen durchläuft er die Phasen seiner eigenen Existenz analog zu den Elementen:


Entstehung (Holz): Der Moment des Anschlags oder des Einsetzens ist eine aufwärtsstrebende Energie, ein initialer Impuls des Werdens.

Entfaltung (Feuer): Der Klang dehnt sich im Raum aus, erreicht seine maximale thermische Intensität und eine auseinanderstrebende Energie.


Transformation (Erde): In der Phase des Haltens findet ein energetischer Übergang statt; die Erde vereint hierbei Yin und Yang als integratives Zentrum.

Resonanz und Verfestigung (Metall): Der Klang beginnt sich zu konzentrieren, erfährt eine qualitative Verdichtung oder eine absteigende Bewegung.

Erlöschen und Stille (Wasser): Das Vergehen mündet in einem Zustand des Speicherns und der maximalen Yin-Konzentration, aus der das Potenzial für den nächsten klanglichen Moment erwächst.

Das Harmonische Netz und die therapeutische Dimension

Um diese Prozesse strukturell fassbar zu machen, nutze ich ein von mir entwickeltes harmonisches Netz. Dieses Netz basiert auf den funktionalen Beziehungen der fünf Elemente und dient als Matrix für die Klangorganisation. Da dieses Modell die Grundlage der Traditionellen Chinesischen Medizin bildet, wohnt meiner Musik eine inhärente therapeutische Seite inne.

Die Wandlungsphasen beschreiben das Wechselspiel des Qi. Indem ich diese Prinzipien – die in der Medizin zur Harmonisierung von Körper und Geist genutzt werden – kompositorisch übersetze, strebe ich eine Musik an, die den Hörer in einen Zustand des Gleichgewichts versetzt. Es geht darum, die Korrespondenz des Individuums mit dem Universum spürbar zu machen.

Das Ziel meiner Musik ist es, diese prozesshafte Einheit der Wirklichkeit erfahrbar zu machen. Indem ich die Wandlungsphasen als kompositorisches Fundament nutze, versuche ich, die Illusion eines statischen, isolierten Objekts aufzuheben und das Universum als ein dynamisches Gewebe von Energiestrukturen hörbar zu machen.

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